Coda: Wiederaufführung einer Ausstellung

Bernd Bankroth, Horst Bartnig, Wolfgang E. Biedermann, Dietrich Burger, Hartwig Ebersbach, Dieter Goltzsche, Renate Göritz, Jürgen Haufe, Rainer Herold, Karl-Georg Hirsch, Lutz Hirschmann, Veit Hofmann, Gerhard Kettner, Ingo Kirchner, Wolfgang Mattheuer, Alfred T. Mörstedt, Rolf Münzner, Charlotte Elfriede Pauly, Heinz Plank, Herbert Sandberg, Erika Stürmer-Alex, Hans Ticha, Andreas Wachter, Claus Weidensdorfer, Karla Woisnitza, Axel Wunsch 

kuratiert von Thibaut de Ruyter nach einem Konzept von Hans-Jörg Schirmbeck

Ein Ausstellungsprojekt des ifa – Institut für Auslandsbeziehungen in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung. Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.

Von den über hundert Werken, die in der ursprünglichen Ausstellung Musik in der Bildenden Kunst der DDR zu sehen waren, sind etwa fünfzig erneut im KVOST – Kunstverein Ost versammelt. Sie stammen alle – bis auf eines – aus dem Depot des ifa in Stuttgart, wo die grafischen Werke des Zentrums für Kunstausstellungen (ZfK) der DDR heute aufbewahrt werden.

Coda: Wiederaufführung einer Ausstellung ist Teil der Ausstellungsreihe Publik Machen: Zu Arbeit und Wirken des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR. Publik Machen untersucht in sechs Kapiteln die Arbeit des Zentrums für Kunstausstellungen der DDR (ZfK), dessen grafischer Sammlungsbestand 1991 an das ifa überging. Das ZfK verband staatliche Kulturpolitik mit internationalem Austausch und eröffnet heute neue Perspektiven auf das Verhältnis von Kunst und Politik. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit der ifa-Galerie Berlin, dem Schloss Biesdorf, dem KVOST – Kunstverein Ost, der Prater Galerie und der Galerie im Turm sowie der robotron-Kantine in Dresden statt.

Mitte der 1980er-Jahre ging die von Hans-Jörg Schirmbeck konzipierte Ausstellung Musik in der Bildenden Kunst der DDR auf Tournee. Sie reiste nach L’Aquila in Italien, Paris, Wien, Bukarest, Duisburg, Kuwait-Stadt – und wurde zweimal in Ost-Berlin gezeigt. In seinem ursprünglichen Konzept behandelt der Kurator Musik in all ihren Formen: Porträts berühmter Komponist:innen wie Beethoven oder Eisler, Musiker:innen bei der Arbeit – etwa eine Schlagersängerin, Geiger:innen, Schlagzeuger:innen oder Bläser:innen, solo oder im Ensemble –, Darstellungen von Instrumenten, darunter eine brennende Gitarre, sowie schließlich mehr oder weniger abstrakte Werke, die von Pink Floyd, Erik Satie, Krzysztof Penderecki, Karlheinz Stockhausen oder Johann Sebastian Bach inspiriert sind.

Wir alle leben mit Musik. Ob Radiowecker, Lautsprecher in Geschäften, Kopfhörer in Bus und Bahn oder die kleine Stereoanlage am Arbeitsplatz – Musik gehört zu unserem Alltag. Wir können sie wählen oder müssen sie ertragen, doch kein Tag vergeht ohne Musik in unseren Ohren. Für viele Kunstschaffende ist sie jedoch weit mehr: Bezugspunkt, Inspirationsquelle, Impuls für das Schaffen.

In der DDR der 1960er- bis 1980er-Jahre stellte sie zudem einen einzigartigen Freiraum dar – ein Terrain, auf dem sich trotz staatlicher Restriktionen eine Form des autonomen Ausdrucks entfalten konnte. Die Musik ist das eigentliche Thema der Kunstwerke, nicht länger ein Klangteppich im Hintergrund, sondern eine eigenständige, greifbare Präsenz — übersetzt in Linie, Fläche, Form.

Es ist die Vielfalt, die sofort ins Auge fällt: Klassische und zeitgenössische Musik, Schlager, Jazz, Pop — alle Genres finden sich in der Ausstellung Musik in der Bildenden Kunst der DDR und damit auch in Coda: Wiederaufführung einer Ausstellung. Das zeigt sich auch in den Werken, die vom figurativen Porträt über die Abstraktion bis zur erfundenen Notation reichen. Dabei kommen vielfältige Techniken der Arbeit auf Papier zum Einsatz: Zeichnung, Radierung, Siebdruck, Collage.

Die Werke sind in streng chronologischer Reihenfolge ausgestellt, von 1963 bis 1988. So entfaltet sich eine Kunstgeschichte, die sowohl die Vorlieben und Inspirationsquellen der Künstler:innen der DDR als auch die Entwicklung von Formen und Interessen über fünfundzwanzig Jahre hinweg nachvollziehbar macht — vom konkreten Realismus hin zu einer Abstraktion, die von den Klängen ihrer Zeit geprägt ist. Der Titel Coda: Wiederaufführung einer Ausstellung ist der Musiksprache entlehnt. Eine Coda bezeichnet den Abschluss eines Musikstücks, einen Moment der Reflexion vor der Stille; doch das Vorhaben versteht sich eher als Wiederaufführung — als Interpretation im Sinne der darstellenden Künste: keine werkgetreue Rekonstruktion des Vergangenen, sondern eine neue, freie und bewusste Neudeutung der verschiedenen Fassungen der ursprünglichen Ausstellung.