VLAD NANCA

The the City and the City
Eröffnung . 10.09.2019 . 19 Uhr

VLAD NANCA ist Preisträger des KVOST Stipendiums 2019.

Das Stipendium beinhaltet ein Artist-in-Residence Programm und eine Einzelausstellung in den Räumen von KVOST während der diesjährigen Berlin Art Week.

Die Frage, wie Ideologie und Architektur einander bedingen, steht im Zentrum der Arbeit des rumänischen Künstlers Vlad Nancă: „Mich interessiert, in welchem Ausmaß das jeweils herrschende politische Klima in West und Ost den alltäglichen Objekten des Modernismus Form verleiht.“

Anhand architektonischer Strukturen, Reliefs, Ornamente und Mosaike stellt Nancă Verbindungen her: zwischen Gegenwart, Vergangenheit und imaginierter Zukunft ebenso wie zwischen der ehemaligen DDR und seinem Heimatland – so existiert die berühmte Weltzeituhr eigentlich zweimal: einmal am Berliner Alexanderplatz und einmal in dem kleinen Ort Falticeni im Nordosten Rumäniens.

Der Ausstellungstitel The City and the City zitiert einen Roman des britischen Sci-Fi-Autoren China Miéville, der von der einzigartigen Situation Berlins inspiriert wurde: der Existenz zweier separater Städte in einem geografischen Raum, deren Gegenwart auch 30 Jahre nach der Widervereinigung noch im Stadtbild erfahrbar ist.

Der Preisträger des KVOST Stipendiums 2019 nutzt den 6-wöchigen Arbeitsaufenthalt in Berlin dazu, um sich auf intensive Weise mit der noch erhaltenen sozialistischen Architektur rund um den Alexanderplatz und die Leipziger Straße zu befassen. Am Straßenbild des Berliner Stadtteils Mitte lässt sich das wiederholte Überschreiben politischer Narrative seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs exemplarisch aufzeigen. Zahlreiche Gebäude, in denen sich die sozialistische Utopie der ehemaligen DDR manifestierte, wurden in den Jahren nach dem Mauerfall abgerissen und aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit getilgt.

Nancăs Interesse gilt dabei jedoch nicht nur der Gestaltung studierter Designer und Architekten, sondern auch dem, was er als „Volkskunst der sozialistischen Postmoderne“ bezeichnet: DIY-Elemente, die den Gebäuden hinzugefügt werden und als Objekte eine rein dekorative Funktion erfüllen.

Für seine Einzelausstellung in den Räumen von KVOST wird Nancă mit dem Fotografen und Architekten Martin Maleschka kooperieren, einem der Köpfe der „Ostmoderne“-Bewegung, die sich für eine neue Wertschätzung der lange Zeit verfemten DDR-Architektur einsetzt. Maleschka stellt Nancă sein umfangreiches Archiv an Fotografien, die Details bereits verschwundener Gebäude dokumentieren, zu Studienzwecken zur Verfügung.