Gerhard Dölz und die Saalfelder Gruppe . Frühe Keramiken der DDR

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Die „Saalfelder Gruppe“ wurde von drei Künstler:innen gebildet, die Ton und Glasur zu ihrem bevorzugten Medium gemacht haben und darin eine scheinbar unerschöpfliche Inspiration gefunden haben.

Die Künstlergruppe, zu der neben Gerhard Dölz auch Gerda Körting und Karl Jüttner gehörten, zählte zu den wichtigen Vertretern der Keramik-Kunst – sowohl in der DDR wie auch im internationalen Kontext, so bei den ab 1975 in Römhild stattfindenden Keramik-Symposien. Zusammen mit weiteren Künstler:innen trugen sie ab den 1960er-Jahren dazu bei, dass aus der handwerklichen Tradition der Gebrauchskeramik der gebrannte, glasierte Ton zu einem Medium für bildnerische, plastische, künstlerische Ideen wurde.

In der Gruppe war Gerhard Dölz der Produktivste: Er fertigte in seiner Schaffenszeit hunderte Einzelstücke, von denen eine Auswahl nun im KVOST gezeigt wird.

Zum ersten Mal seit 2006 – als ihm aus Anlass des 80. Geburtstags in Saalfeld eine Ausstellung gewidmet wurde – sind so viele seiner Arbeiten an einem Ort zu sehen. Die 100 ausgestellten Stücke bieten die einmalige Gelegenheit, das Schaffen der drei Künstler:innen in einem Kontext betrachten zu können.

Zahlreiche Vasen, Flaschen, Teller und weitere Gefäße zeigen die Bandbreite dieser Zunft an der Grenze zwischen Kunsthandwerk und bildender Kunst. Auf den Oberflächen dieser vermeintlich alltäglichen Gegenstände entstehen abstrakte Landschaften, organische Strukturen und Texturen, zarte Farbverläufe oder rhythmische Muster, die alle unsere Aufmerksamkeit fesseln und eine Begegnung mit dem Objekt anregen.

Gerhard Dölz wurde 1926 in Thüringen geboren und verstarb 2007 in Saalfeld. Ursprünglich widmete er sich der Grafik und Malerei – während einer Lehre zum Lithografen und später durch den Besuch von Grafik- und Malkursen während seiner Kriegsgefangenenschaft in den USA. Nach einem Studium in Saalfeld an der Saale wurde er 1951, zunächst als Maler, Mitglied des Verbandes Bildender Künstler der DDR. Um 1956 begann die Keramikausbildung bei Gerda Körting (1911 bis 2000), die in einer Ateliergemeinschaft der beiden mündete. Zusammen mit dem ebenfalls als Maler ausgebildeten Karl Jüttner (1921 bis 2006) gründeten die Keramiker:innen die Künstlergruppe Saalfeld.

In der Ausstellung von Werken drei Mitglieder der Saalfelder Gruppe werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Herangehensweise sichtbar. Gemeinsam ist ihnen die grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Form, die in einer großen Klarheit mündet. Hier wird die handwerkliche Tradition spürbar, das freie Drehen auf der Töpferscheibe, die sowohl hohe schlanke Vasen entstehen lässt als auch kompakte, in sich geschlossene, runde Gefäße.

Die Formen bei Dölz unterscheiden sich jedoch von der zurückhaltenden, anmutigen Gestaltung der Werke von Körting und Jüttners wuchtigeren Objekten. Dölz experimentiert mit Proportionen, dehnt die eine oder andere Linie etwas weiter aus, setzt spielerische Akzente. Diese Arbeitsweise zeichnet ihn auch bei der Oberflächengestaltung aus. Er nutzt die ganze Bandbreite der zur Verfügung stehenden Techniken: Vom Kratzen, Schaben, Aussparen, über das Ansetzen und Eindrücken hinaus bis hin zur freien Modellierung und Einprägung. Dennoch sind diese Interventionen nie beliebig, sondern dienen stets einer durchdachten Komposition, die im Einklang mit der Grundform steht.

Auch bei den Glasuren herrscht eine unglaubliche Vielfalt an Techniken und Methoden, wobei oft sparsam mit dem Material umgegangen wird. Leuchtende Farbakzente verstecken sich in Mündungen oder umranden einen Flaschenhals, juwelenartige Farbtupfer funkeln in der matten, braunen Oberfläche einer sonst unglasierten Keramik. Dölz’ Oberflächen haben nicht die Zartheit und Weichheit der Glasuren von Gerda Körting, die an traditionelle japanische Arbeiten erinnern, aber Farbe setzte er immer selbstbewusst und mit einem malerischen Gespür ein. Die Motive, die dabei entstehen, sind meist abstrakt. Geometrische Formen werden rhythmisch aneinandergereiht, während organische Texturen vielen Gefäßen eine urige, zeitlose Stimmung verleihen. Dieses Vorgehen wäre in der Malerei bis in den 1980er-Jahren wegen der in der DDR immer wieder neu verhandelten Anforderungen an die bildende Kunst nicht ohne weiteres möglich gewesen.

Neben Gefäßen entstanden auch, zum Teil bedingt durch die besondere Auftragssituation für Künstler:innen in der DDR, zahlreiche architekturbezogene, großformatige Arbeiten im öffentlichen Raum. So war Dölz für Gestaltungen in Kulturhäusern und Kantinen verantwortlich, unter anderem in Schleitz und Jena-Neulobeda, sowie für zwei Stelen auf dem Gelände der Internationalen Gartenbauausstellung 1975 in Erfurt, die als Postkarte im Ausstellungsraum gegenwärtig sind. Einige Arbeiten, die genau wie Gefäße, die die anfangs angesprochene Grenze zwischen Kunsthandwerk und bildender Kunst ausreizten, sind in vielen Fällen wegen mangelnder Wertschätzung verschwunden.

Durch die Ausstellung wird die Vielfalt, Freude am Experiment und das handwerkliche Können der Saalfelder Gruppe sichtbar. Über ihre einfache Formschönheit hinaus zeugen diese Werke von einer lebendigen, auch heute noch inspirierenden Gemeinschaft von drei DDR-Künstler:innen, die immer wieder versucht haben, aus Altem Neues zu schaffen.

Die Ausstellung wird ermöglicht durch Leihgaben aus den Sammlungen Andreas Sternweiler, der Studio Galerie Berlin und dem Keramik-Museum Berlin.

Edouard Compere, 2021