ALEX MIRUTZIU and TAH29

Around the Truth is the Truth.

Der rumänische Künstler Alex Mirutziu erkundet die Randgebiete des Sicht- und Darstellbaren. Die leicht hingeworfenen mäandernden Striche seiner Zeichnungen, die Mirutziu als "heimatlose Linien" beschreibt, kommen den dargestellten Objekten stets nahe, ohne sie jemals scharf zu konturieren.

Diana Weis / 2018

Der rumänische Künstler Alex Mirutziu erkundet die Randgebiete des Sicht- und Darstellbaren. Die leicht hingeworfenen mäandernden Striche seiner Zeichnungen, die Mirutziu als „heimatlose Linien“ beschreibt, kommen den dargestellten Objekten stets nahe, ohne sie jemals scharf zu konturieren.

Diese gewollte Vagheit, die Raum für Uneindeutiges, Missverständnisse sowie Begriffloses lässt, verleiht auch den Installationen und Performances des Künstlers ihren besonderen Reiz. Mirutzius Arbeiten vermessen die Peripherie der Dinge und fragen nach der Möglichkeit, in die feststehende Ordnung einzugreifen.

Wie viele Künstler seiner Generation, die im ehemaligen Ostblock aufwuchsen, nennt auch Mirutziu die durch den Filter der Medien sehnsüchtig betrachtete Kultur des Westens als wichtigen Bezugspunkt seiner künstlerischen Praxis. Dabei waren es nicht die popkulturellen Ikonographien, die heute die visuelle Ästhetik vieler kontemporärer Künstlern prägen, sondern radikale poetische und philosophische Ideen, die Mirutziu einen Fluchtweg aus der Enge des posttotalitären Rumänien wiesen.

Mirutzius Interventionen, wie das Beschriften von Körpern, das Übermalen von Fotografien oder das Montieren von an Rückspiegel erinnernde Objekte auf historische Artefakte, wirken oft krude, direkt und brutal. Sie entlarven das Verhältnis zwischen konkreter Realität und subjektiver Wirklichkeit als trügerisch und konstruiert. Wahrheit wird, wie der Titel der Ausstellung programmatisch festschreibt, nicht als moralische oder absolute Kategorie begriffen, sondern als leere Mitte innerhalb eines komplexen Systems von Zuschreibungen, Vermutungen und Fiktionalisierungen.

Seine am Eröffnungsabend aufgeführte Performance „The urgency of the idea of closure in drawing“ verwirklicht Mirutziu unter dem Projektnamen „The Artist as Himself at 29“ (TAH 29), wobei er als Kollektiv gemeinsam mit seinem jüngeren Ich, symbolisiert durch eine Maske aus Graphit, auftritt. Die Arbeit befasst sich mit der Instabilität von Selbst-Narrationen und der unausweichlichen Verzerrung von zurückliegenden Ereignissen.

Text by Diana Weis / 2018

Alex Mirutziu wurde 1981 in Sibiu (RO) geboren und lebt in Cluj (RO).
Mirutziu hilt Vorlesungen in Performance – und Theater orientierten Institutionen wie dem Royal College of Arts in London, dem Von Kraal Theater Estland; Konstfack, Stockholm; Bezalel Universität für Kunst und Design, Tel Aviv und hat mit verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet – darunter Grit Hachmeister (DE), Paul Devens (NL), Elias Merino (ES), Graham Foust (USA), Graham Harman (USA). Zuletzt wurden seine Arbeiten im IASPIS, Stockholm; ZDB, Lissabon; Power Plant, Toronto; The Glass Factory Lab, Boda; Mucsarnok Kusthalle, Budapest; Center for Contemporary Art, Warschau und National Museum, Warschau gezeigt, 2015 vertrat er Rumänien auf der Biennale in Venedig.